Kongobecken

Dzanga-Sangha, Zentralafrikanische Republik

Dzanga-Sangha ist ein im Südwesten der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) an der Grenze zu Kamerun und der Republik Kongo gelegenes Naturschutzgebiet im tropischen Regenwald des Kongobeckens. Die Region dehnt sich von Nord nach Süd über knapp 100 km aus und ist Teil des UNESCO-Welterbegebiets „Trinational de la Sangha“ (TNS). Sie ist Heimat der indigenen BaAka und Sangha-Sangha, die diese Region seit Jahrhunderten bewohnen. Das langfristige Ziel unserer Initiative ist das nachhaltige “Empowering” der indigenen Bevölkerung zu zentralen Akteuren beim Erhalt ihres Kultur- und Naturerbes und bei der Verteidigung ihrer Rechte.

Die ursprüngliche Bevölkerung der Sangha-Region hat über die Zeit hinweg eine starke Verbindung zu dieser Gegend aufgebaut, insbesondere zu den Wäldern und Flüssen, die ihren Lebensunterhalt garantieren. Als traditionell halbnomadische Jäger und Sammler haben die indigenen BaAka und die Fischer der Sangha-Sangha einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz der ökologischen Prozesse dieser fragilen Landschaften aufgebaut. Diese Verbundenheit mit der Natur drückt sich unter anderem in zahllosen Legenden, Liedern und Tänzen aus. Die polyphone Musik der BaAka mit ihren mehrstimmigen Gesängen ist weltweit bekannt und wurde von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt. Die enge Beziehung zu ihrer Umwelt und die Abhängigkeit von ihr hat das Wertesystem und die soziale Organisation dieser Gruppe, die sich vorallem durch Gemeinschaftsorientierung und Egalität auszeichnen, nachhaltig geprägt.

In den letzten Jahren ist die indigene Bevölkerung jedoch unter großen Druck geraten, sich zu verändern und sich an neue Einflüsse anzupassen. Diskriminierung und Ausbeutung, mangelnde Wertschätzung ihrer kulturellen Traditionen und Lebensweise von Seiten der heute dominanten Bevölkerungsgruppe der Bantu untergraben die Kontinuität der althergebrachten Kulturpraktiken und verhindern deren Weitergabe an die nächste Generation. Die indigenen BaAka und Sangha-Sangha Gemeinschaften stehen vor der großen Herausforderung, sich diesen plötzlichen und radikalen Veränderungen zu stellen, und ihre bewährten Fähigkeiten und Wissenssysteme so zu erneuern, dass sie in der heutigen Welt ihre Wichtigkeit behalten und für unterschiedliche Zwecke gewinnbringend eingesetzt werden können.

OrigiNations unterstützt die lokale Bevölkerung dabei, sich zivilgesellschaftlich zu organisieren und Strukturen zu schaffen, die zu einer langfristigen Verbesserung ihrer Lebenssituation beitragen. Unsere Initiative bietet über mehrere Workshops, Exkursionen und Projekte hinweg Jugendlichen und Dorfältesten einen Raum, ihr bedrohtes Kultur- und Naturerbe zu erforschen und zu dokumentieren, um so die Weitergabe von wertvollem traditionellem Wissen zu gewährleisten. Die Jugendlichen und Dorfältesten selbst bestimmen über die thematischen Schwerpunkte und die praktische Ausgestaltung dieser Initiative. Ihre Interessen, Fähigkeiten, ihre Kreativität, ihr Erinnerungsvermögen und ihre Visionskraft werden zum Motor dieses Projekts. Zwischen den regionalen Workshops mit etwa 20 Jugendlichen und 5 Dorfältesten finden kleinere Workshops in allen Dörfern statt, die die breite Bevölkerung in selbstentwickelten Projekten involvieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Initiative sind nationale und internationale Menschenrechtsinstrumente, die die Jugendlichen für die Verteidigung ihrer Rechte zu nutzen lernen. Dabei spielt insbesondere die von der Zentralafrikanischen Republik unterzeichnete ILO 169 – Konvention mit maßgeblichen Provisionen zu den Rechten indigener Gruppen eine Rolle. Die Einschreibung des Parks als UNESCO-Weltnaturerbe ist Teil dieses größeren Kontextes, der es erlaubt, internationale Prozesse als wichtige Anknüpfungspunkte für indigenes Wissen zu verwenden. Dies kann helfen, neue Impulse zu setzen in einer lokalen Situation, die von starker Diskriminierung und mangelnder Akzeptanz indigener Kulturtraditionen geprägt ist.

Die Initiative hat zum Ziel, das Rechtsbewusstsein und kulturelle Selbstvertrauen der indigenen Gruppen zu stärken und sie ermuntert sie dazu, in Kooperation mit dem Nationalpark als auch mit lokalen und internationalen Organisationen konkrete Aktivitäten zum Schutz ihrer Kultur und Natur zu verfolgen und neue wissensbasierte Einkunftsmöglichkeiten zu schaffen. Die von OrigiNations durchgeführten Workshops bieten viel Raum für Diskussionen und Austausch: zwischen den Generationen, den zehn teilnehmenden Dörfern, zwischen beiden indigenen Gruppen der Region sowie zwischen der Bevölkerung und unterschiedlichen Akteuren im Bereich Naturschutz, Kulturerhalt und Menschenrechte.

Dieses Projekt, für das OrigiNations mit der zentralafrikanischen NGO MEFP („Maison de l’Enfant et la Femme Pygmées“), dem panafrikanischen Indigenen-Netzwerk IPACC („Indigenous Peoples of Africa Co-ordinating Committee“) und dem WWF Deutschland kooperiert, wurde von 2015 – 2018 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt. Wir begleiten die Jugendlichen weiterhin bei ihren Aktivitäten und helfen ihr u.a. beim Aufbau einer Website.


Weiterführende Informationen:

  • Website der Jugendgruppe (auf französisch): http://www.ndimakali.org/
  • Video der Aktivitäten der Jugendgruppe: https://vimeo.com/123191447
  • Die Jugendgruppe bei der Affen-Beobachtung im Wald: https://vimeo.com/124398133
  • Videobotschaften der jungen Teilnehmer (auf französisch): https://vimeo.com/124015974
  • Ein kurzer, beeindruckender Videoclip der BBC, der BaAka beim Honigsammeln in den hohen Wipfeln der Urwaldriesen in Dzanga-Sangha zeigt, findet sich in der Serie „Planet des Lebens“ (Human Planet) im Kapitel über Wälder.
  • Der polyphone Gesang der BaAka Zentralafrikas wurde auf die Liste der  UNESCO des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen: Link.
  • Ein historischer Film der frühen „Pygmäen“-Ethnologen Zentralafrikas: https://vimeo.com/4803893