Zentralamerika

San José, Guatemala

Die archäologischen Stätten der Maya Zentralamerikas sind weltweit bekannt. In Guatemala leben heute etwa 6 Millionen Maya (knapp 60 % der Gesamtbevölkerung), die 22 indigene Sprachen sprechen. Guatemala leitet sich vom Wort „Quauhtemalan“ der Maya-Sprache Nahuatl ab und bedeutet „Land der Bäume“. Mit 2.500 Menschen gehören die Maya Itzá zu der kleinsten Maya-Gruppe im Land. Sie leben im Herzstück der Maya-Welt, im tropischen Tiefland im Norden Guatemalas an der Grenze zu Mexiko und Belize. Die Mehrheit von ihnen wohnt im Dorf San José (ursprünglich Ixtutz) am Ufer des Itzá Sees, gegenüber der ehemaligen Itzá Hauptstadt Flores (früher Nojpetén oder Tayasal). Wie an anderen Orten in Lateinamerika hat die spanische Invasion, eingeschleppte Krankheiten und andere desaströse Folgen der Kolonialisierung die indigene Bevölkerung massiv reduziert. Umgeben von bedeutenden archäologischen Stätten, und in der Minderheit am inzwischen stark besiedelten Ufer des Itzá Sees, kämpfen sie erbittert um den Erhalt ihrer Kultur.

Auf Anfrage von fünf Vereinen aus San José haben wir im Dezember 2015 einen einwöchigen Workshop mit 25 Maya Itzá Jugendlichen durchgeführt, mit finanzieller Unterstützung der Paul K. Feyerabend Foundation vermittelt durch das ICCA Consortium. Ziel war es, gemeinsam mit Vertretern dieser Vereine einen Workshop zu realisieren, um bisher voneinander getrennte Initiativen zusammenzubringen, Jugendliche für ihre Anliegen zu begeistern und eine breite Bewegung für den Erhalt ihres Kultur- und Naturerbes anzustoßen. Zu den fünf Organisationen gehören die „Academia de Lenguas Mayas de Guatemala“ (ALMG), die sich für die Dokumentation und Verbreitung der indigenen Maya Sprache engagiert; „Asociación Solidaria de Acción y Propuesta de Petén“ (ASAPP), die organischen Landbau und den Erhalt urtümlicher Sorten propagiert; „Ut’an Samal“, die sich der Bewahrung kultureller Traditionen und Brauchtümer widmet; „Asociación BioItza“, die zu Naturschutz und dem Management des Gemeindewalds arbeitet; sowie die „Asociación de Plantas Medicinales“, die das traditionelle Wissen zur Heilmedizin zu bewahren sucht.

Dank erfolgreicher Verhandlungen mit der guatemaltekischen Naturschutzbehörde CONAP und IDAEH war es uns möglich, den Workshop innerhalb des Nationalparks Yaxhá-Nakum-Naranjo und in unmittelbarer Nähe der archäologischen Stätten durchzuführen. Yaxhá war wohl gewählt: Dieser uralte Ort hat große Bedeutung für das Volk der Itzá, insbesondere die archäologische Stätte Topoxté auf einer Insel im Yaxhá See. Dies sind die einzigen Ruinen in Guatemala, bei denen ein direkter Bezug der Erbauer bzw. Bewohner zu den heutigen Itzá belegt ist.

In Folge des Workshops haben die Jugendlichen begonnen, sich als Gruppe zu organisieren. Sie nennen sich auf ihrer Sprache Itzá: “Ixch’upaaloo’ Ajxi’paaloo’ uchuyoo’ ti a’ k’in utal”, was auf Spanisch “Jóvenes Tejedores del Futuro” und auf Deutsch “Jugendliche weben Zukunft“ bedeutet. Die Jugendgruppe trifft sich regelmäßig und unternimmt wichtige Schritte zum Erhalt ihrer Kultur. Die von Spendengeldern von OrigiNations finanzierten und von uns im Workshop eingeführten Video- und Fotokameras (siehe Bild) werden von den Jugendlichen für Interviews mit Dorfältesten sowie der Dokumentation ihrer Kulturtraditionen und der kaum gesprochenen Sprache eingesetzt.


Weiterführende Informationen:

  • Ein Bericht des Workshops ist hier zum Download verfügbar auf englisch und spanisch.