Amazonas

Oxapampa, Zentralamazonas, Peru

Am Oberlauf des Amazonas, den Andenabhängen im Nebelwald Perus, wurde 2010 ein neues UNESCO-Biosphärenreservat ins Leben gerufen, die Biosfera Oxapampa-Asháninka-Yánesha. Der innovative Ansatz einer partizipativen Schutzgebietsverwaltung bringt unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen der Region an einen Tisch, und hat sowohl national als auch international großes Aufsehen erregt. In dem Gebiet leben indigene Yánesha und Asháninka, Migranten aus dem andinen Hochland sowie Nachkommen deutscher und österreichischer Siedler, die größtenteils Ende des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach Land in die Region gekommen sind.

Die Yánesha stellen mit etwa 8 – 10.000 die kleinste Bevölkerungsgruppe des Gebietes dar. Ihre lange Siedlungsgeschichte verbindet sie eng mit dieser Landschaft, deren Spuren sowohl von ihrer Schöpfungsgeschichte, großen Naturereignissen und historischen Begebenheiten zeugen. Die Möglichkeiten für Jugendliche, sich eine Zukunft in der Region aufzubauen, sind jedoch aufgrund der niedrigen Preise für landwirtschaftliche Produkte, Kaffee und Kakao, gering – die Landflucht in dieser Region ist enorm und fast alle Jugendlichen verlassen nach der Schule die Dörfer, um in den nächstgrößeren Städten zu arbeiten oder ihr Glück in der Hauptstadt zu versuchen.

Im Austausch mit Repräsentanten der Yánesha Dörfer hat sich gezeigt, dass großes Interesse an der Durchführung von Workshops besteht, um das Bewusstsein der Jugendlichen für ihr reichhaltiges Kulturerbe zu schärfen, es über die Arbeit in Schulen und Jugendgruppen in der gesamten Region bekannt zu machen und basierend auf ihrer Kultur neue Einkunftsmöglichkeiten zu schaffen. Die Arbeit mit Jugendlichen in Bezug auf ihre kulturelle Herkunft und die reichhaltige Geschichte der Yánesha empfinden viele der innerhalb der indigenen Föderation FECONAYA organisierten Dorfvorsteher als auch Eltern und Lehrer als äußerst dringlich.

OrigiNations hat seit 2016 auf Anfrage der lokalen Autoritäten drei einwöchige Workshops mit indigenen Jugendlichen und Dorfältesten durchgeführt. Während der Workshops diskutierten die Jugendlichen die Bedeutung ihres Kultur- und Naturerbes, wie dieses erhalten und besser geschützt werden kann und welche Rolle dabei die Jugend spielt. Ziel der Workshops ist es, indigene Jugendliche darauf vorzubereiten, zu handlungsfähigen zivilgesellschaftlichen Akteuren zu werden, ihre Selbstorganisation zu stärken und den Belangen indigener Jugendlicher im Rahmen des Biosphärenreservats eine Stimme zu geben. Basierend auf ihrem lokalen Wissen haben sie viel zum Fortkommen der Region beizutragen und können das multikulturelle Zusammenleben im Biosphärenreservat positiv mitgestalten.

Einige Jugendliche nahmen am Jugend-Konversatorium des Biosphärenreservats („Segundo Conversatorio de Jóvenes de la Reserva de Biosfera Oxapampa – Asháninka – Yánesha“) teil und präsentierten die von der Gruppe erarbeiteten Video-Statements. Die Jugendlichen haben sich inzwischen in zwei regionalen Gruppen zusammengefunden und organisieren unterschiedlichste Aktivitäten zur Dokumentation und Revitalisierung ihrer Kultur in den Dörfern. Sie arbeiten auch mit den Schulen der Region zusammen und setzen sich gegen Diskriminierung ein.

Weiterführende Informationen:

  • Die von den Jugendlichen erarbeiteten Video-Statements finden sich hier (auf spanisch, mit deutschen Untertiteln). Kurzversion (4 min): https://vimeo.com/245758694
  • Ein digitales Archiv zur Kultur der Yánesha findet sich hier, ihre Facebook-Seite findet sich hier.

Ampiyacu, Nordamazonas, Peru

Der Ampiyacu ist ein Zufluss des Amazonas, gelegen im Norden Perus an der Grenze zu Kolumbien. In dem gleichnamigen Naturschutzgebiet leben etwa 2.000 Menschen vier indigener Gruppen. Eine dieser Gruppen, die Yaguas, sind schon immer hier beheimatet. Die anderen drei Gruppen, Huitoto, Bora und Ocaina, stammen ursprünglich aus Kolumbien. Ihre Vorfahren wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zuge des Kautschuk-Booms hierher verschleppt, nachdem die lokale indigene Bevölkerung aufgrund der harten Arbeitsbedingungen beinahe ausgelöscht worden war. Die drakonische Ausbeutung während dieser Zeit, die zum Ausbruch von Krankheiten und zur Dezimierung der Gruppen führte, und der lange Einfluss „zivilisatorischer“ Kräfte wie der Missionierung, haben starke Nachwirkungen auf die Sozialstrukturen und das Leben in den Dörfern hinterlassen.

Insbesondere die Situation der Jugendlichen ist besorgniserregend und von großer Orientierungslosigkeit sowie hohen Suizidraten gekennzeichnet. Viele Jugendliche fühlen sich zerrissen zwischen den Versprechungen eines „modernen“ Lebens in den nächst größeren Städten Pebas und Iquitos, wo sie meist stark diskriminiert werden und unter schlechten Bedingungen hausen, und den oftmals zerrütteten Strukturen in den Dörfern, die ihnen kaum mehr Halt bieten.

Auf Anfrage der vor Ort ansässigen indigenen Föderation FECONA und der peruanischen Umweltschutzorganisation „Instituto del Bien Común“ (Institut für das Gemeingut, IBC) haben wir im Dorf Pucaurquillo im April 2016 einen fünftägigen Workshop mit Jugendlichen zu Kulturerhalt und zivilgesellschaftlicher Organisation durchgeführt. Dieser Workshop, den wir in einer “Maloca“, einem traditionellen Versammlungshaus (siehe Bild) durchgeführt haben, bot den Jugendlichen einen Raum, sich zu Themen wie Diskriminierung und kulturelle Identität auszutauschen, mit Dorfältesten die Geschichte ihrer Kulturgruppe zu rekonstruieren, und zu beginnen, sich als Gruppe zu organisieren. So können sich die Jugendlichen gegenseitig unterstützen, sich mit gesammelten Kräften für gemeinsame Anliegen wie die Dokumentation und Verbreitung ihrer in Vergessenheit geratenen Kulturtraditionen einsetzen, und sich mit anderen Akteuren für den Erhalt ihres Naturschutzgebietes engagieren, um sich vor Ort eine langfristige Perspektive aufbauen zu können.

Weiterführende Informationen:

  • Ein 4-minütiges Video zu unserem Workshop im April 2016 findet sich hier (auf spanisch, mit englischer Beschreibung).
  • Ein kurzes Video zum Leben in Pucaurquillo findet sich hier.

Bild: Blick auf die Weiten des Amazonas von der Landeshauptstadt Iquitos aus, die nur per Boot oder Flugzeug zu erreichen ist.